Das eigene Multimedia Center (Kodi) mit dem Raspberry Pi 2/3

In diesem Tutorial möchte ich Euch zeigen, wie ihr mit einem Raspberry Pi 2 oder 3 ein Multimedia Center für den Heimbereich, z.B. als Heimkino und/oder Webradio installiert, einrichtet und fernsteuert. Wir bereiten in wenigen Schritten die Software Kodi (früher Xbox Media Center – XBMC) unter den Systemen MacOSX und Windows für die Installation auf dem Raspberry Pi 2/3 vor und konfigurieren das Multimedia Center für Video, Audio und Streaming. Für die Fernsteuerung Kodi Remote benötigt Ihr ein Android oder IOS Gerät der neueren Generation (Android 4.0.3 oder höher – IOS 8.0 oder höher).

Grundausstattung

Quellen

Dieses Tutorial steht unter einer Creative Commons CC-BY-SA Lizenz und darf frei verwendet, bearbeitet und weitergegeben werden, solange der Autor genannt wird und die neue Version unter denselben Bedingungen angeboten wird. Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Zitiervorschlag: Steger, Manfred: Das eigene Multimedia Center (Kodi) mit dem Raspberry Pi 2/3. Medienzentrum EW, Uni Hamburg. CC BY-SA.

GitBook einzusehen unter: Das eigene Multimedia Center (Kodi) mit dem Raspberry Pi 2/3.


Kodi Installer herunterladen und mit OpenELEC auf SD-Karte installieren

Damit das Tutorial komplett abgearbeitet werden kann, sind die oben genannten Bauteile nötig. Ihr benötigt zusätzlich einmalig eine USB Tastatur für die Erstkonfiguration des Systems.

SD-Karte vorbereiten

Die SD-Karte ist die Festplatte unseres Raspberry Pis. In den nachfolgenden Schritten wollen wir mit Hilfe des Installers OpenELEC (Open Embedded Linux Entertainment Center) Kodi Media Center auf die SD-Karte installieren und unseren Mini-Computer davon starten. Kodi wird danach ohne Kompilierung vorkonfiguriert zur Verfügung stehen und startet automatisch die Benutzeroberfläche des Multimedia Centers nach dem Systemstart. Kodi ist grundsätzlich kostenlos und jegliche Distributionen müssen es ebenso sein. OpenELEC erhaltet ihr von der Herstellerseite unter: OpenELEC Kodi Installer.

OpenELEC gibt es in verschiedenen Versionen und Zuständen, wählt für die Installation unter MacOSX und Windows Diskimage OpenELEC Stable aus und entpackt nachdem Download die Image Datei. An dieser Stelle scheiden sich nun die Wege für die Installation in Richtung Windows, Macintosh und Linux.

OpenELEC Kodi Installation unter Windows

OpenELEC ist eine Linux-Distribution und benötigt bestimmte Voraussetzungen, damit das Betriebssytem installiert werden kann. Unter Windows ist dies leider nur mit zusätzlicher Software möglich. Windows kennt das Dateisystem EXT4 für Speichermedien von Haus auf nicht, kann aber mit dem kostenlosen Programm Win32 Disk Imager problemlos angewandt werden. Steckt jetzt die SD-Karte in das Kartenlesegerät, ladet das Programm herunter, installiert es anschließend mit der Standardkonfiguration und startet es. Die minimalistische Oberfläche von Disk Imager lässt kaum Fehlerquellen zu, ihr müsst lediglich auf das Ordner Symbol klicken und die heruntergeladene OpenELEC Image Datei laden.

Win32 Disk Imager Startfenster - Sie müssen auf das Datei öffnen Ordner-Symbol nach der Datei URL Leiste klicken, um in die Dateiablage zu wechseln.

Falls Euch die Datei nicht angezeigt wird, klickt neben dem Dateinamen auf die Dateiformate und wählt *.*, hiermit werden euch alle Dateitypen angezeigt.1

Alle Dateitypen anzeigen falls die OpenELEC Image Datei nicht sichtbar ist - zu finden nachder Dateiname Eingabezeile.

Wählt die Image Datei aus und klickt auf öffnen. Neben dem Pfad der Image Datei müsst ihr noch den "Device", sprich das Speichermedium für den Clone Vorgang wählen. Passt hier sehr gut darauf auf, dass ihr den richtigen Laufwerksbuchstaben, und zwar den der Speicherkarte wählt. Seid hier doppelt vorsichtig! Eine Warnung taucht auf, die in etwa dem entspricht, was ich einen Satz vorher geschrieben habe. Bestätigt den Vorgang und wartet ab, bis der Vorgang beendet ist. Voilà! Kodi ist nun bootfähig auf der Speicherkarte und wartet darauf, in den Raspberry gesteckt zu werden. Falls euch Schritte unklar sind oder zu kompliziert, ein kleines Video zeigt die einzelnen Schritte nochmals genau.

Video: Download OpenELEC sowie Download und Installation Win32 Disk Imager unter Windows 8.1:

Manfred Steger's Video zu OpenELEC und Win32 Disk Imager Installation unter Windows 8.1

Video: Clone Vorgang von OpenELEC auf SD-Karte mit Win32 Disk Imager:

Manfred Steger's Video Clone OpenELEC auf SD Card via Win32 Disk Imager unter Windows 8.1

OpenELEC Kodi Installation unter Macintosh

Der Vorbereitungsprozess unter Macintosh benötigt keine zusätzliche Software, dafür ein paar Zeilen Code im Terminal. Steckt nun die SD-Karte in das Lesegerät und öffnet das Festplattendienstprogramm. Dies findet ihr im Ordner: Programme / Dienstprogramme. Die SD-Karte muss im FAT32 Dateisystem vorliegen. Vergleicht im Festplattendienstprogramm die Größe der jeweiligen Speichermedien, wenn z.B. eine 32 GB SD-Karte verwendet wurde, erkennt ihr diese schnell an der Speichergröße. Wählt eure SD-Karte mit einem Klick aus und klickt auf den Reiter Löschen. Wählt dort unter Format "MS-DOS-Dateisystem und klickt anschließend auf Löschen.

SD Karte mit dem Festplatttendienstprogramm auf MS-DOS-Dateisystem (FAT) formatieren. Der Eintrag Format finden Sie unter dem Reiter "Löschen".

An dieser Stelle ein kleiner Warnhinweis, wir werden gleich mit root Berechtigungen (uneingeschränkter Administrator) Befehle ausführen, bei fälschlicher Handhabung könnt ihr im schlimmsten Falle das Betriebssystem lahmlegen oder Daten ohne vorherhiger Bestätigung bzw. Warnung löschen / verschieben etc.

Öffnet ein neues Finder Fenster und navigiert zur heruntergeladenen OpenELEC Image Datei. Öffnet das Terminal. Dies findet ihr im Ordner: Programme / Dienstprogramme. Gebt folgenden Code ein, um herauszufinden an welcher Stelle die SD-Karte eingehängt wurde:

diskutil list

Der Befehlt listet nun alle eingehängten Speichermedien auf. Das Ergebnis hängt davon ab, wie viele Festplatten, Sticks, SD-Karten etc. an eurem Mac / Linux hängen. Sucht nun in dieser Liste nach der SD-Karte, wie schon im Festplattendienstprogramm, orientiert euch am besten an der Speichergröße und zusätzlich an dem Dateisystem DOS FAT 32. Jedes eingehängte Speichermedium erhält einen "Identifier" - ich nenne es mal einen Positionsnamen - der an erster Stelle, unter dem Identifier rechts in der Auflistung steht. In meinem Fall ist es disk3. Die Zahl des Speichermediums benötigen wir im nächsten Schritt, schreibt diese auf, prägt sie euch ein und vergesst oder verwechselt sie auf keinen Fall!

Wir bleiben weiterhin im Terminal und werfen (unmount) die SD-Karte mit folgendem Befehl aus:

diskutil unmountDisk /dev/diskX

Setzt am anstatt X eure jeweilige Festplattenposition ein. In meinem obigen Beispiel wäre es die disk3 und bestätigt mit Enter. Beginnen wir den Kopiervorgang der Image auf die SD-Karte:

sudo dd if=/pfad/zu/eurer/datei.img of=/dev/diskX

Sudo steht für Super User und erlaubt uns wirklich alles! DD clont alle Dateien die im Pfad if= angegeben sind, bit-genau an die Stelle von of=. Damit ihr keine Fehler bei der Pfadangabe macht, schreibt zunächst dd if= in das Terminal, wechselt zum Finder Fenster und zieht die OpenELEC Image Datei via Drag&Drop hinter den geschriebenen Befehl. Das Terminal setzt anstelle der Image Datei den genauen Pfad ein. Fügt danach noch den Rest des Befehlt, of=/dev/diskX ein. Vergesst hierbei nicht, die richtige Laufwerkszahl, die ihr euch eingeprägt einzutragen. Mit Enter bestätigen und etwa 5 – 10 Minuten warten. Es gibt keine Statusanzeige oder ähnliches, sobald der Prozess abgeschlossen ist, wird eine Meldung ausgegeben. Also keine Hektik, einfach entspannt abwarten. Anschließend kann die Speicherkarte entnommen und in den Raspberry Pi gesteckt werden. Der nervenaufreibendste Teil ist hiermit erledigt. Auch an dieser Stelle wieder die einzelnen Schritte im Video.

Video: Terminal Befehle unmount und dd zum Kopieren von OpenELEC auf SD-Karte Mac:

Manfred Steger's Video zu OpenELEC Clone auf SD-Karte mit dem Mac Terminal

OpenELEC Kodi Installation unter Linux

Der Vorbereitungsprozess unter Linux (Ubuntu) benötigt keine zusätzliche Software, dafür ein paar Zeilen Code im Terminal. Steckt nun die SD-Karte in das Lesegerät und öffnet das Terminal (Tastenkombination: Ctrl+Alt+T).

Wir müssen zunächst herausfinden, welchen Einhängepunkt die MicroSD-Karte im System zugewiesen bekam. Gebt hierzu folgenden Befehl in das Terminal ein:

parted -l

Ihr müsst nun herausfinden welchen Einhängepunkt (Nummer) die MicroSD-Karte besitzt. Ihr könnt dies relativ leicht an der Speichergröße erkennen. Diese Nummer benötigen wir nun für die nächsten Schritte.

Zunächst muss die Speicherkarte ausgeworfen/ausgehängt sein, damit anschließend der Klonvorgang gestartet werden kann. In meinem Fall liegt die Speicherkarte auf der Nummer 4. Der Befehl zum Aushängen lautet dann wie folgt:

umount /dev/sdb4

Den Klonvorgang starten wir mit dd unter Angabe des Pfads der Image und dem Speicherort (SD-Karte). Hierzu müssen wir noch den Speicherort der Image-Datei herausfinden. Am einfachsten geschieht dies mit Drag&Drop der Image-Datei aus dem Dateimanager direkt in das Terminal. Beginnt im Terminal mit sudo dd if= und zieht nun die Image-Datei von OpenELEC aus dem Ubuntu Dateimanager direkt dahinter. Es wird automatisch der absolute Dateipfad der Image, wie benötigt, im Terminal hinterlegt. Anschließend noch ein Leerzeichen setzen und den Speicherort mit of=/dev/sdbX bs=4M angeben. Setzt anstatt dem X die Nummer des Einhängepunkts der SD-Karte ein und startet mit der Enter-Taste den Vorgang. Der gesamte Befehl lautet dann in meinem Beispiel wie folgt:

sudo dd if=OpenELEC-Generic.x86_64-6.0.0.img of=/dev/sdb4 bs=4M

Hinweis: Es erscheint keine Zeitanzeige wie lange der Vorgang dauert. Die Dauer ist abhängig von der Größe der Image-Datei und der Geschwindigkeit der Speicherkarte bzw. des Kartenlesegeräts. Im Falle von OpenELEC sollte es etwa 4-15 Minuten dauern. Sobald der Klonvorgang abgeschlossen ist, erscheint eine Meldung im Terminal.

Erstkonfiguration von OpenELEC und Kodi

Der Raspberry Pi muss zunächst vom Strom getrennt sein und mit einem HDMI Kabel an Monitor oder Fernseher angeschlossen werden. Führt die SD-Karte mit dem installierten OpenELEC System in den Pi ein und schließt vor dem Starten einmalig eine USB Tastatur an. Es wird empfohlen alle Geräte anzuschließen und als letztes die Stromversorgung anzuschließen. Die Voreinstellung für den Benutzer und dem Passwort lauten:

username: root
password: openelec

Sobald der Pi die SD-Karte erkannt hat, kommt zum konstant rot leuchtenden Licht ein gelbes Leuchten hinzu. Bleibt das Licht konstant rot, ist beim Clone Vorgang etwas schief gegangen. Es kann sein, dass die SD-Karte nicht vom Raspberry gelesen werden kann. Der Bootvorgang dauert bei der Erstkonfiguration länger als gewöhnlich, habt etwas Geduld. Nach etwa 2–4 Minuten sollte eine Schritt-für-Schritt Konfiguration erscheinen. Wählt zunächst die gewünschte Sprache und klickt auf weiter. Sobald nach den Protokollen SSH und Samba gefragt wird, markiert beide (blauer Punkt) und schließt die Konfiguration ab. Geschafft! Ihr habt nun ein funktionstüchtiges Kodi Media Center.


[1]: Die Zeichenkombination *.* bedeutet alle Dateitypen anzeigen.

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