Eigene Lernumgebung mit dem Raspberry Pi 2 und Moodle

In diesem Tutorial möchte ich Euch zeigen, wie ihr mit einem Raspberry Pi 2 Modell B einen funktionierenden lokalen Webserver mit Ubuntu Mate einrichtet und das Kursmanagementsystem / Lernplattform Moodle 3 installiert. Die Konfiguration ist für einen mobilen Einsatz im Klassenzimmer bzw. Kursraum gedacht, nicht für den professionellen Einsatz im Internet. 1 Der Pi eignet sich hervorragend für ein mobiles System, mit gerade einmal 40g kann kein Laptop, Tablet oder Rechner mithalten. Inklusive Zubehör komme ich bei meinem Setup auf 300g Gewicht, das passt in jede Akten- bzw. Schultasche. Kapitel 1: Ubuntu Mate installieren wird anhand von MacOSX vorgestellt, alle weiteren Kapitel funktionieren plattformunabhängig, also auch mit Windows. Windows Nutzer dürfen/müssen an dieser Stelle nicht aufhören, ich habe dort einen Link mit geeigneten alternativ Software zur Verfügung gestellt. Ab Schritt 3 bewegen sich alle Systeme wieder am gleichen Strang. Kapitel 2 Webserver installieren (LAMP/WAMP/MAMP) schafft die Basis zum Betreiben eines Learning Content Management Systems (LCMS). Kapitel 3 Moodle installieren, konfigurieren und administrieren beschäftigt sich zum einen mit dem Installationsvorgang aber zum anderen mit rudimentärer Verwaltung von Moodle.

Im letzten Abschnitt: Feedback mit Moodle findet ihr ein Kapitel aus einer alten Studienarbeit zur Thematik eLearning. Keine Sorge, ich habe nur das handlungsorientierte Kapitel 3 hochgeladen, das zeigt, wie ihr Kommunikationsmöglichkeiten von Moodle nutzen und einstellen könnt.

Dieses Tutorial steht unter einer Creative Commons CC-BY-SA Lizenz und darf frei verwendet, bearbeitet und weitergegeben werden, solange der Autor genannt wird und die neue Version unter denselben Bedingungen angeboten wird. Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Zitiervorschlag: Steger, Manfred: Eigene Lernumgebung mit dem Raspberry Pi 2 und Moodle. Medienzentrum EW, Uni Hamburg. CC BY-SA.


Grundausstattung

Den Unterschied zwischen den Spezifikationen des Raspberry Pis findet ihr hier. Es ist wichtig, dass entweder die Version 2 oder Version 3 erstanden wird. Der Testaufbau wurde mit einem Raspberry 2 Modell B durchgeführt, laut Nutzerberichte soll die neu erschienene Version 3 ebenfalls mit diese Tutorial ohne Abweichungen funktionieren (ohne Gewähr).

Das Tutorial befindet sich in einem Beta-Zustand. Auf Grund mehrerer Nachfragen und Bitten für dieses Tutorial, habe ich mich entschieden den Artikel für die Interessierten bereits jetzt zur Verfügung zu stellen. Nachdem ich auch kein Student mehr bin, brauche ich einfach länger als gewohnt. Ihr könnt gerne über Disqus Fehlerbereichte etc. melden und ich versuche mich direkt darum zu kümmern.

Ubuntu Mate bootfähig auf SD-Karte klonen

Damit das Tutorial komplett abgearbeitet werden kann, sind die oben genannten Bauteile nötig. Es gibt zwei Möglichkeiten zum Start, 1.) Mit Tastatur und Bildschirm oder 2.) alles über Remote (SSH) [Terminal]. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, da einfach weniger Verkabelung und Ausrüstung nötig ist.

SD-Karte vorbereiten

Das Betriebssystem für den Raspberry Pi 2 (Ubuntu Mate für Raspberry Pi 2 / 3) muss auf eine SD-Karte bootfähig übertragen werden. Hierfür benötigt ihr die ISO Datei des Betriebssystems Ubuntu Mate Raspberry Pi 2 / 3 Edition und ein paar kleine Helfer (MAC OSX): Pi Filler,Pi Copier und Pi Finder, diese findet ihr unter: http://ivanx.com/raspberrypi/. Für Windows kann der Win32 Image Writer genutzt werden, zu finden unter: https://launchpad.net/win32-image-writer.

Ein externes Erklärvideo hierzu:

https://www.youtube.com/watch?v=WCrNIyhPXcs

Ubuntu Mate klonen unter MacOSX

Wie ihr nun vorgehen müsst, seht ihr in den nachfolgenden Videos. Zurücklegen und genießen. (Der Image-Clone-Prozess wird nur für MacOSX im Video gezeigt, im nächsten Kapitel geht es wieder für beide Systeme weiter.)

Entpackt die komprimierte Ubuntu Mate Image Datei mit einem Doppelklick oder mit einem Entpacker eurer Wahl (für alle Systeme gibt es das kostenlose Tool 7zip)

Video 2: Manfred Steger's Video SD Karte formatieren und Raspbian installieren


Video 3: Manfred Steger's Video Raspberry Pi im Finder mit Pi Finder im Netzwerk identifizieren


Es gibt noch eine Alternative die ohne zusätzlicher Software auskommt, sprich mit den Boardmitteln von OSX funktioniert.

Diese Variante wird im Tutorial Mein erster Linux Rechner - Ubuntu als Windows Ersatz unter Ubuntu USB-Bootstick erstellen unter MacOSX erklärt. Es spielt keine Rolle ob ein USB Stick oder wie in unserem Fall eine SD-Karte verwendet wird.

Ubuntu Mate klonen unter Windows

Steckt jetzt die SD-Karte in das Kartenlesegerät, ladet das Programm herunter, installiert es anschließend mit der Standardkonfiguration und startet es. Die minimalistische Oberfläche von Disk Imager lässt kaum Fehlerquellen zu, ihr müsst lediglich auf das Ordner Symbol klicken und die heruntergeladene Ubuntu Mate Image Datei laden (In den Screenshots und den Videos wird OpenELEC installiert, nehmt anstelle die Ubuntu Mate Image).

Win32 Disk Imager Image Datei öffnen

Falls Euch die Datei nicht angezeigt wird, klickt neben dem Dateinamen auf die Dateiformate und wählt *.* 2, hiermit werden euch alle Dateitypen angezeigt.

Alle Dateitypen anzeigen falls die OpenELEC Image Datei nicht sichtbar ist

Wählt die Image Datei aus und klickt auf öffnen. Neben dem Pfad der Image Datei müsst ihr noch den "Device", sprich das Speichermedium für den Clone Vorgang wählen. Passt hier sehr gut darauf auf, dass ihr den richtigen Laufwerksbuchstaben, und zwar den der Speicherkarte wählt. Seid hier bitte doppelt vorsichtig! Eine Warnung taucht auf, die in etwa dem entspricht, was ich einem Satz vorher geschrieben habe. Bestätigt den Vorgang und wartet ab, bis der Vorgang beendet ist. Voilà! Ubuntu Mate ist nun bootfähig auf der Speicherkarte und wartet darauf, in den Raspberry gesteckt zu werden. Falls euch Schritte unklar sind oder zu kompliziert, ein kleines Video zeigt die einzelnen Schritte nochmals genau. Nochmals der Hinweis, dass das Video die Installation von OpenELEC zeigt und nicht von Ubuntu Mate. Überspringt das Herunterladen der Image Datei und nehmt die von oben geladene Ubuntu Mate Image.

Sobald der Transfer der Daten auf die SD-Karte abgeschlossen ist, könnt Ihr die SD-Karte in den Raspberry stecken. Fahrt den Raspberry mit angeschlossenem Monitor, Tastatur und angeschlossenem Netzwerkkabel am Router hoch.

Ich empfehle Euch, erst jegliche Peripherie (Tastatur, ggf. Maus), Speichermedien (SD-Karte, ggf. zusätzlicher USB-Stick), den Bildschirm und Netzwerkanschluß vor Inbetriebnahme anzuschließen und als letztes das Micro-USB-Kabel, das den Raspberry die Power verleiht anzuschließen. Beim Versuch das Netzwerkkabel während der Installation anzuschießen, habe ich aus Versehen die SD-Karte ausgeworfen ... Alles noch einmal von vorn.

Ubuntu Mate installieren und konfigurieren

Nachdem Einschalten sollte nach ein paar Sekunden das Ubuntu Mate Logo erscheinen, ein gutes Zeichen dafür, dass ihr das Tutorial bislang erfolgreich abgeschlossen habt. Es folgt eine kurze Bilderstrecke für die Einstellungen der Installation.

Ubuntu Installation Willkommensbildschirm

Sprachwahl und Startmenü der Ubuntu Installation - Systemsprache wählen - in meinem Fall Deutsch

Wählt in der linken Spalte die gewünschte Sprache aus und klickt auf Ubuntu MATE Installieren.

Die Installation funktioniert auch ohne Maus, ihr könnt mit der Tabulator Taste durch die einzelnen Sektionen und Buttons der Installation springen. Mit der Enter-Taste (Eingabe) könnt ihr etwas bestätigen und mit der Leertaste bestimmte Felder wie z.B. eine Checkbox ausfüllen.

Vorbereitung der Installation von Ubuntu Mate

Installationsvorbereitung Ubuntu Mate - Vorbereitung der Installation von Ubuntu Mate und hinzufügen propriotärer Quellen (Drittanbieter Software)

Wählt in den Checkboxen aus ob ihr während der Installation Aktualisierungen laden wollt (benötigt einen funktionierenden Internetzugang via Kabel) und ob ihr Drittanbieter Software installieren wollt. Ich habe mich dafür entschieden zunächst keine Updates zu installieren, da hierfür während der Installation Hardware Resourcen verwendet werden, die das gesamte Prozedere verlangsamen.

Installationsart von Ubuntu Mate

Installationskriterien - Festplattenwahl für die Installation von Ubuntu Mate

Wählt hier den ersten Eintrag: Festplatte löschen und Ubuntu Mate installieren aus und startet den Vorgang mit dem Button Jetzt installieren.

Hinweis zum Datenverlust auf der gewählten Festplatte - Hinweis zum Datenverlust auf der gewählten Festplatte

Es folgt ein Hinweis, dass die Daten der gewählten Festplatte gelöscht werden. Bestätigt diesen Hinweis mit dem OK-Button.

Länder- und Zeitzonen Einstellung

Länder- bzw. Zeitangabe - Länder- bzw. Zeitangabe für die Installation von Ubuntu Mate auswählen

Habt ihr Deutsch als Standardsprache gewählt wird euch Berlin als Zeitzone vorgeschlagen. Falls Ihr eine andere Zone setzen wollt, könnt ihr dies im Dropdown-Menü nachholen. Habt ihr die gewünschte Zone ausgewählt, drückt den Weiter-Button.

Tastatureinstellung

Tastatur Layout und Sprache auswählen

Die Tastaturbelegung ist für das nachfolgende Moodle Tutorial besonders relevant. Nehmt Euch in diesem Schritt genug Zeit die richtige Tastatur auszuwählen. Es kann sehr nervig werden, falls ihr eine deutsche Tastatur habt und die englische Tastaturbelegung wählt. Ihr werdet anschließend sonst Probleme haben, die richtigen Zeichen auf der Tastatur zu finden bzw. ist y und z vertauscht. In meinem Fall habe ich eine Macintosh Tastatur am Raspberry Pi angeschlossen und bei der Installation ausgewählt.

Benutzer anlegen

Benutzer- und Computername für Ubuntu Mate mit Passwortsetzung

Wer sind Sie? Geben Sie ihre Benutzerdaten ein. Bitte schreiben Sie diese sorgfältig auf. Das erste Feld Ihr Name ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist der Name Ihres Rechners im zweiten Feld. Wir wollen uns schon bald remote, also von einem anderen Computer, auf diesem Computer anmelden wollen. Hierfür benötigen wir den Namen des Rechners. Ich wählte den Namen und anschließend das Passwort jeweils raspberry. Anschließend daran noch das Passwort wiederholen und mit einem Klick auf weiter den primären Installationsvorgang starten.

Abschluß der Installation

Es wird nun ca. 10-30 Minuten dauern bis der Kleene Ubuntu Mate erfolgreich installiert hat. Es folgt anschließend eine Aufforderung für einen Neustart des Systems, dem wir gerne nachkommen wollen.

System nach erfolgreicher Installation mit einem Neustart bestätigen

Anmeldebildschirm

Loginscreen mit dem vorher gewählten Benutzernamen und der Möglichkeit zur Passworteingabe

Sie sehen nun den gewählten Namen und ein Feld für die Passworteingabe. Mit der Anmeldung ist ein weiterer großer Schritt dieses Tutorials erfolgreich abgeschlossen worden.

Ubuntu konfigurieren

Erste Schritte in Ubuntu Mate

Willkomensnachricht abschalten

Nachdem ersten Login begrüßt uns ein Willkommensfenster. Wir ignorieren gekonnt alle Hinweise und wählen die Checkbox Willkommen nach einloggen öffnen ab. Die deutsche Übersetzung klingt leider wie eine translate.google.com Eingabe, also nicht wundern falls auf begrifflich fragwürdige Ausdrücke stoßt.

Eine kleine Begrifferklärung zu Beginn. Linux ist kein out of the box Betriebssystem - d.h. es kommt mit einem Minimum an Programmen, Treibern und Zusatzsoftware. Damit wir den Rechner in vollen Zügen genießen und benutzen können, müssen wir das System updaten. Ubuntu wird es schaffen, den Großteil der Hardware selbstständig zu erkennen und auf den neuesten Treiberstand zu bringen. Für Updates wird eine Internetverbindung benötigt. Wir benötigen ab jetzt eine aktive Internetverbindung.

Ubuntu Mate updaten, upgraden und mit SSH ausstatten

Ab jetzt wird die UNIX-Shell zu unserem besten Freund. Wir geben dem Betriebssytem mit dem sog. Terminal (aufrufbar mit der Tastaturkombination ctrl+alt+u bzw. strg+alt+u) direkt Befehle. Für Linux Neulinge eine gravierende Umstellung, für alte Hasen der einzig wahre Weg zum Glück.

Seit diesem Tutorial gibt es für die Terminal-Sessions asciinema Aufzeichnungen. Ihr könnt diese speziellen Videos pausieren und den Code direkt aus dem Video kopieren. Wer mehr dazu wissen möchte: www.asciinema.org Terminal Sessio Videos

Installation OpenSSH

Als erstes benötigen wir für die Fernsteuerung des Rechners OpenSSH als Serverdienst. Gebt dazu den nachfolgenden Befehl in das Terminal ein und bestätigt die Installation mit eurem Passwort.

In diesem Tutorial lautet der Benutzername und das zugehörige Passwort immer raspberry

sudo apt-get install openssh-server

Falls ihr bei der Installation von Ubuntu einen abweichenden Benutzernamen gewählt habt, tragt diesen anstatt raspberry vor das @-Zeichen ein.

Es empfiehlt sich einen lokalen Test zu starten, der uns sagt, ob der Zugriff tatsächlich funktioniert bzw. der Dienst gestartet wurde. Tragt in das Terminal den folgenden Befehl ein.

ssh raspberry@localhost

Die Syntax des Befehls kann an dieser Stelle leicht erklärt werden und hilft euch bei den weiteren Schritten in diesem Tutorial. Mit ssh wird das Programm selbst angesprochen. Vor dem @-Zeichen steht der Benutzername und danach die IP-Adresse des Rechners. Localhost verweist immer auf den lokalen Webserver und spricht damit immer den Rechner an, auf dem man sich gerade befindet. Später wird localhost durch die tatsächliche IP des Raspberrys ausgetauscht.

Ab jetzt könnt ihr entscheiden, ob ihr vorzugsweise am Pi mit angeschlossener Tastatur, oder mithilfe eines anderen Rechners via SSH das Tutorial fortführen wollt. Erfahrungsgemäßig würde ich immer zur remote Variante tendieren, da wir später die grafische Oberfläche (GUI) von Ubuntu Mate ausstellen können, um Ressourcen zu sparen. Ich werde mit dieser Variante fortfahren.

Meldet Euch mithilfe der Konsole eures Computers via SSH auf dem Raspberry an. Der Befehl hierfür lautet: ssh raspberry@ip-adresse-des-pis. Wenn ihr die IP nicht mehr wisst, benutzt das Tool: Pi Finder, damit bekommt Ihr die IP heraus. Alternativ könnt ihr die IP auch direkt am Pi über die Tastatureingabe und dem angeschlossenem Bildschrim herausfinden. Gebt dazu ifconfig in das Terminal ein und lest die IP ab.

Ifconfig Befehl zum Auslesen der lokalen IP-Adresse

Wir benötigen nun die Befehle:

sudo apt-get update

sudo apt-get dist-upgrade

Aber was machen diese Befehle eigentlich?

Übersichtsliste der Linuxbefehle von apt-get

Ein kleiner Tipp noch, wollt Ihr die Dateistruktur des Linux Systems ohne FTP Programm einsehen, könnt Ihr den Midnight Commander (mc) installieren:

sudo apt-get install mc

Starten könnt ihr das Programm mit dem einfachen zwei Buchstaben: mc

Webserver installieren

Einleitung

Im vorherigen Tutorial habt Ihr gesehen, wie Ubuntu Mate konfiguriert wird. Hier folgt erstmal ein kleiner Einschub, da wir nun darauf achten, dass das gesamte Tutorial plattformunabhängig genutzt werden kann. Unter MAC OSX ist die Steuerung des Pi's über das Terminal schnell gemacht - die Windowsianer müssen sich leider erstmal einen kleinen Helfer holen, denn Windows hat mit der UNIX Shell nichts am Hut. Wieso aber der MAC? Macintosh entstand lapidar gesagt aus Linux und ist sogar (noch) UNIX zertifiziert. So weg vom Exkurs - ab zum Workshop. Damit die nachfolgenden Schritte des Tutorials unter Windows funktionieren, müsst ihr xMing und PuTTYstarten - Anweisungen findet Ihr im Video:

Manfred Steger's Video Xming unter Windows einstellen um server shell commands nutzen zu können


Apache2 / PHP7 Webserver Installation

Unsere erste Aufgabe wird es sein, einen Webserver (Apache2) zu installieren. Wir müssen uns zunächst auf dem Raspberry Pi einloggen – ssh raspberry@ipadresse im Terminal eingeben, Passwort eintippen und danach den Befehl eingeben:

sudo bash

Puh, jetzt aber Vorsicht! Wir haben nun die "ultimative Macht", alles was wir sagen wird OHNE nachfragen erledigt.

Zuerst überprüfen wir ob unser System auf dem neuesten Stand ist.

apt-get update

Anschließend installieren wir die Updates.

apt-get upgrade

Alles aktuell – sehr schön. Hier kommt der Befehl für die Apache2 und PHP7 Installation:

apt-get install apache2 php7.0 libapache2-mod-php7.0

Hier noch der Befehl für den Neustart des Webservers – dieser wird benötigt, wenn ihr z.B. Extensions nachinstalliert hab oder der Server sich aufgehängt hat:

systemctl restart apache2

Nachdem der Installationsvorgang beendet wurde, öffnet den Browser – gebt die IP-Adresse Eures Pis ein. It Works!!! Der Webserver läuft. Das Ganze auch noch als Asciicast zum Mitlesen und Rauskopieren.

Mit dem Apache2 Webserver haben wir ein großes Framework an Technologien installiert, einen Überblick über diese Features und deren Einstellung können wir mithilfe einer sog. PHP Info generieren. Diese Datei legen wir im Web-Rootverzeichnis an – bei Ubuntu Mate ist das /var/www/html. Mit dem Programm nano erstellen wir eine Textdatei im Termial und legen diese auf dem vorgesehen Ort ab.

nano /var/www/html/info.php

In das Dokument müssen wir noch folgenden PHP-Code einfügen:

<?php
phpinfo();
?>

Mit ctrl+x kann die Textdatei geschlossen werden. Das System fragt nach ob die Änderungen in der info.php gespeichert werden soll, diesen Frage müssen wir mit Enter bestätigen.

Damit wir die Datei im Browser lokal ausführen können, werden spezielle Rechte benötigt.

chown www-data:www-data /var/www/html/info.php

Zum Aufrufen der info.php muss die IP-Adresse des Pi mit /info.php im Browser eingetragen werden.

Moodle ist ein hoch komplexes sowie technologisch tiefgreifendes System – d.h. es werden viele Technologien unter einem System genutzt. Hierfür werden weitere sog. PHP Extensions benötigt.

sudo apt-get install php7.0-mysql php7.0-curl php7.0-gd php7.0-soap php7.0-intl php-pear php-imagick php7.0-imap php7.0-mcrypt php-memcache php7.0-pspell php7.0-zip php7.0-recode php7.0-sqlite3 php7.0-tidy php7.0-xmlrpc php7.0-xsl php7.0-mbstring php-gettext

Abschließend optimieren wir PHP noch mit einem speed-up durch APCu, einen sog. Script-Cache.

sudo bash
apt-get install php-apcu

Damit die Änderungen aktiv werden, muss der Apache2 neu gestartet werden:

systemctl restart apache2

MySQL und phpMyAdmin nachrüsten

It Works!! Aber viel können wir damit noch nicht anstellen – ein handelsüblicher Webserver benötigt noch eine Datenbank zur Speicherung jeglicher Einstellungen und Inhalte. Wir rüsten nun MySQL und phpMyAdmin nach, damit später Moodle auch auf unserem Webserver installiert werden kann.

Damit wir wieder vollen Zugriff haben und auch die gewünschten Services installieren können, benötigen wir uneingeschränkte Zugriffsrechte:

sudo bash
apt-get install mariadb-server mariadb-client
mysql_secure_installation

Für die Installation von MariaDB muss ein Passwort gesetzt werden, welches wir sehr bald schon für die Moodle Installation benötigen. Moodle wird alle Systemeinstellungen, Beiträge, Kurse, Personen usw. in der Datenbank speichern und seine Inhalte dynamisch dem jeweiligen Benutzer zur Verfügung stellen.

Ich habe für das Root- und Datenbank-Passwort raspberry gewählt.

Die weiteren Schritte können immer mit Y(es) beantwortet werden. Ihr werden gefragt, ob ihr ein Datenbank-Passwort anlegen, Anonymen Zugriff entfernen, Fernzugriff als root verweigern und die Testeinträge der Datenbank löschen wollt.

Zu guter Letzt überprüfen wir, ob der Datenbankzugriff auch wirklich funktioniert. Wir loggen uns mit dem Befehl mysql direkt in die Datenbank ein.

mysql -u root -p

Passwort eingeben und nach erfolgreichem Einloggen mit dem Befehl quit ausloggen.

quit

Ihr könnt die Datenbank über das Terminal administrieren, für mich ist das jedoch zu kompliziert und wechsel an dieser Stelle zu einem weiteren Werkzeug, dass es erlaubt, die Datenbank mittels einer GUI zu verwalten.

Wir installieren nun phpMyAdmin mit folgendem Befehl:

sudo apt-get install phpmyadmin

Nach der Passwort- und Installationsbestätigung folgt ein wahrlich schöner magentafarbener Hintergrund der leicht ins Fliederblau abrutscht. Lasst euch nicht von der Farbe ablenken und wählt bei der ersten Option der automatischen Webserverkonfigurierung apache2 aus. Ein kleines rötliches Rechteck symbolisiert die derzeit gewählte Option. Bestätigen könnt ihr mit der Leertaste. Zum OK-Button gelangt ihr über die Tastatur mittels der Tabulator Taste. Bestätigt die Auswahl mit Enter.

PhpMyAdmin benötigt eine Datenbank für die Installation, die im nächsten Schritt mithilfe dbconfig-common vorkonfiguriert angelegt werden kann. Bestätigt die Frage mit Ja.

Nun benötigt das Installationsscript das Passwort der Datenbank. In meinem Fall war dies raspberry.

Die folgende Einstellung im Sytem ist etwas komplizierter. Grundsätzlich wird dem root User der Zugang zur MySQL-Datenbank verwehrt, dies müssen wir im nächsten Schritt ändern, da wir uns sonst nicht über das Webinterface von phpMyAdmin anmelden können.

sudo bash

echo "update user set plugin='' where User='root'; flush privileges;" | mysql --defaults-file=/etc/mysql/debian.cnf mysql

phpMyAdmin aufrufen

Wenn alle Schritte erfolgreich absolviert wurden, können wir mittels phpMyAdmin auf die Datenbank zugreifen. Gebt hierzu die Adresse Eures Pis mit einem folgenden /phpmyadmin ein.

Der Standardnutzer der Datenbank lautet root und unser Passwort war raspberry.

Manfred Steger's Video zur Aufrüstung des Webserver von PHP, MySQL und phpMyAdmin


Erstellt nun eine neue Datenbank mit dem Namen moodle.

Eine neue Datenbank kann über das Head-Menü: Datenbanken -> Neue Datenbank anlegen -> Anlegen-Button erstellt werden. Nutzt als Datenbankname moodle, anderenfalls erhaltet Ihr einen Error establishing a database connection Fehler im nachfolgenden Schritt. Der Fehler besagt, dass die Verbindung zur Datenbank nicht hergestellt werden kann, dass liegt entweder an der nicht vorhandenen Datenbank oder einem falschen Passwort.

Moodle installieren

Moodle herunterladen

Bevor wir mit der eigentlichen Installation beginnen können, brauchen wir das aktuelle Moodle 3.2 Installationspaket. Wir laden das Paket mithilfe des Terminals in das richtige Verzeichnis des Webservers.

cd /var/www/html

Mit dem Befehl wget laden wir das Paket an den oben navigieren Ort herunter.

sudo wget https://download.moodle.org/download.php/direct/stable32/moodle-latest-32.zip

Im Terminal erscheint ein Download-Manager, der euch den aktuellen Stand eures Downloads anzeigt.

Nachdem der Download abgeschlossen wurde, muss das ZIP-Archiv entpackt werden.

sudo unzip moodle-latest-32.zip

Moodle installieren

Die tatsächliche Installation rückt zum Greifen nahe – Moodle hat eine Eigenheit, einen Ordner außerhalb des Web-Rootverzeichnis aus Sicherheitsgründen besetzen zu wollen. Diesen Ordner namens moodledata erstellen wir im /var/www Verzeichnis.

sudo mkdir /var/www/moodledata

Noch schnell Schreibrechte für die Standard Servergruppe www-data des Apache setzen:

sudo chown -R www-data /var/www/moodledata

Moodledata benötigt für die Installation volle Zugriffsrechte (777). Hierfür nutzen wir im Terminal den change mode auch bekannt als chmod.

sudo chmod -R 777 /var/www/moodledata

Moodle selbst kann mit den Rechten 755 zum Leben erweckt werden.

sudo chmod -R 0755 /var/www/html/moodle

Ihr fragt euch sicherlich was die Zahlen bedeuten? Ein rudimentärer Exkurs in die UNIX Dateirechte wird hoffentlich etwas Licht ins Dunkel bringen. Die drei Zahlen stehen jeweils für eine Nutzergruppe: Owner, Group, Other. Die Höhe der Zahl richtet sich nach der Addition der Rechte. (4) = Lesen; (2) = Schreiben; (1) = Ausführen.

777 bedeutet jeder darf alles. Eine sehr gefährliche Einstellung, die in einer Produktivumgebung aus Sicherheitsgründen nicht angewendet werden sollte, außer der Bereich wird durch eine Firewall geschützt. Keine Sorge, nach der Installation werden die Rechte für moodledata abgeändert.

755 bedeutet der Eigentümer(7) darf alles, die Gruppe(5) und Sonstige(5) lesen und ausführen.

Gebt nun die IP-Adresse des Pis in einen Browser eures Vertrauens mit dem Zusatz /moodle ein. Wenn alles nach Plan läuft, sollte nun die Installationsoberfläche zu Moodle 3.2 erscheinen und wir haben den schwierigsten Teil geschafft.

Willkommens Bildschirm von Moodle 3.2 mit Hinweise zur Installation

Wählt die gewünsche Sprache für die Installation aus und bestätigt mit dem Weiter-Button.

Willkommens Bildschirm von Moodle 3.2 mit Hinweise zur Installation

Das Installationsskript fragt die benötigten Installationsverzeichnise nun ab – wir haben diese bereits angelegt und können somit einfach auf den Weiter-Button klicken.

Auswahl Bildschirm über die Verwendung einer Datenbank

In diesem Schritt sollt ihr eine Datenbank auswählen, auf der Moodle später Einstellungen und Inhalte speichert. Wir haben vorab MariaDB installiert. Wählt hier im Dropdown Menü MariaDB aus und klickt auf weiter.

Eingabemaske für die Datenbankverbindung

Dieser Schritt ist besonders wichtig – hier werden die Einstellungen für die Datenbankverbindung zwischen Moodle und MariaDB eingetragen. Der Datenbank-Server lautet immer: localhost. Wir haben bereits erfahren, dass die Bezeichnung localhost auf die eigene IP-Adresse zugreift und das soll der Server in diesem Fall auch. Als Datenbanknamem wählen wir moodle. Der Datenbank-Nutzer lautet root mit dem Kennwort raspberry. Um die letzten drei Einträge müssen wir uns nicht kümmern und lassen sie deshalb unverändert. Auf zum näcshten Schritt.

Nutzungsrechte von Moodle

Lest euch einmal die spannenden Nutzungsbedingungen bzw. Urheberrechtshinweise durch und bestätigt mit dem Weiter-Button.

Server Überprüfung mit Listendarstellung für Kompatibiliät des Servers und deren Extensions

Auf dieser Seite erhaltet ihr eine Übersicht, welche Extensions Moodle benötigt – fehlt für den Betrieb etwas, erhaltet ihr einen Hinweis noch installiert werden muss. Fehlt z.B. die Zip-Erweiterung müsst ihr über die Konsole php7 mit dieser Funktion erweitern. Ihr wisst nicht mehr wie? Dann scrollt nochmal zurück zu: Schritt 1: Apache2 / PHP7 Webserver Installation. Vergesst nicht nach der Installation den Apache2 neuzustarten und die Überprüfungsübersicht im Browser erneut zu laden. Sobald alles mit einem grünen OK-Label versehen ist gehts auch schon los mit der serverseitigen Installation.

Installationsübersicht

Bloß nicht erschrecken! In dieser Übersicht erhaltet ihr einen Einblick was der Server gerade an Services und Funktionen installiert. Die Liste ist ellenlang und dauert auch je nach Raspi 5-15 Minuten. Und weiter geht's.

Administrationsaccount anlegen

Es wird wieder spannend. Nun können wir abschließend einen Admin-Account für Moodle anlegen. Dieser ist besonders wichtig – schreibt euch die Anmeldedaten gut auf. Ich habe als Admin-user: admin und als Passwort: Raspberry2017## gewählt. Ab zum wirklich aller letzten Schritt bevor es losgeht!

Angabefenster für die Moodle Installation

Gebt eurem Moodle noch einen Namen und eine Beschreibung. Die Zeitzone sollte durch Lokalisierung eurer IP automatisch auf dem richtigen Land/Zeitzone stehen. Entscheidet noch zum Schluß ob ihr eine Benutzerregistrierung erlaubt oder ob ihr jeden Benutzer händisch festlegen wollt. Klickt auf Änderungen speichern ... it's done!

Dashboard der Moodle Installation

Congratulations! Ihr habt ein langes und komplexes Tutorial erfolgreich abgeschlossen.

FTP Zugang herstellen (Optional)

Standardmäßig verfügt ein Webserver über eine FTP Dienst, zum Austausch von Dateien. Im Terminal könnten wir mittels Eingabe Dateien hochladen, dass ist aber recht mühsam. In den nächsten Schritten, konfigurieren wir einen FTP Zugang, damit ihr Dateien leicht via Drag&Drop verschieben könnt.

Wie gewohnt brauchen wir das Terminal und folgende Befehle:

sudo bash sudo apt-get install vsftpd

Wir müssen die vsftpd.conf bearbeiten:

nano /etc/vsftpd.conf

Sucht nach den folgenden Einträgen und ändert diese ab, achtet dabei auf die Schreibweise mit YES und NO und dem Kommentarzeichen #. Eine Raute klammert den Befehl aus, wenn ihr bei den unteren Befehlen eine Raute davor seht, entfernt diese.

  • Anonymous_enable=NO
  • Local_enable=YES
  • Write_enable=YES
  • Ascii_upload_enable=YES
  • Ascii_download_enable=YES

Speichert die Datei mit CTRL+Ound schließt Sie mit CTRL+X.

So nun müssen wir den Dienst neustarten:

/etc/init.d/vsftpd restart

Feedback mit Moodle

Die gezielte Unterstützung von Lernprozessen durch E-Learning erhält in unserer durch digitale Medien und elektronische Kommunikationsprozesse geprägten Welt eine immer stärker wachsende Relevanz. Medienkompetenz als eine entscheidende Schlüsselqualifikation umfasst schon lange, neben dem Umgang mit analogen Medien, den planvollen Umgang mit digitalen Kommunikationstechnologien, insbesondere im Bereich des Word Wide Webs.

Die Verbesserung und Unterstützung von Lernprozessen durch systematische Feedbacks muss als außerordentlich wichtiges Qualitätsmerkmal von Lehr-Lern-Prozessen bewertet werden. Die Lernplattform Moodle liefert als komplexe Lernumgebung eine Vielzahl an Kommunikationstechniken, die Feedback ermöglichen. Doch lässt sich gutes Feedbacks mit der Lernumgebung wirkungsvoll realisieren?

Einen handlungsorientierten Leitfaden findet ihr im angehängten Kapitel 3 der Studienarbeit: Steger, Manfred (2015): E-Learning mit Moodle.Lernprozesse unterstützen durch Feedback. Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg.

Handlungsorientierter Leitfaden Kommunikationstechniken realisieren mit der Lernplattform Moodle als PDF


1 Die Sicherheitsrichtlinien für öffentliche Einrichtungen werden in diesem Tutorial nicht angewendet. Bitte setzen Sie sich vor dem Einsatz dieses Systems mit einem Netzwerkadministrator Ihrer öffentlichen Einrichtung eingehend auseinander! Ich übernehme keine Haftung für Datenverlust oder andere Probleme.

2 . bedeutet alle Dateitypen anzeigen.

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